Über Yoga

Was ist Yoga?

wolken

Du bist der Himmel.
Alles andere ist nur das Wetter.

-- Pema Chödrön

 

Yoga ist eine Lebenskunst und eine Art zu fühlen. Yoga ist lebendig und ständig im Wandel.

Yoga ist eine uralte, ehrwürdige Weisheitstradition über den Menschen und sein Eingebundensein in die Welt.

Yoga schult Körper, Atem und Gedanken.

Yoga ist ein Weg der Selbsterforschung und der Selbsterkenntnis.

Yoga ist ein Spiel zwischen Energie und Form.

Yoga verbindet scheinbare Gegensätze: Körper und Geist, Spannung und Entspannung, Bewegung und Ruhe, Tatkraft und Hingabe, Struktur und Kreativität, Geben und Empfangen, männliches und weibliches Prinzip. 

Jeder Yogaweg kann das innere Feuer der Transformation wecken. Yoga ermöglicht jedem Menschen auf einfache und fühlbare Art, Alltag und Spiritualität miteinander zu verbinden und zu leben. 

 

Was ist Hatha-Yoga?

Hatha-Yoga ist Konzentration auf die physische Form des Yoga.

Hatha-Yoga ist ein Weg, den Körper und den Atem bewusst wahrzunehmen, damit zu spielen, die eigenen Grenzen kennenzulernen und gegebenenfalls zu erweitern.

Hatha-Yoga ist das Zusammenspiel zwischen der achtsamen Wahrnehmung und Lenkung des Atems, der Körperempfindngen, der Gedanken und Gefühle und dem konzentrierten Einnehmen von Körperhaltungen (Asanas). Dieses Zusammenspiel wirkt sich auf unseren Energiefluss und unseren Energiekörper aus und damit auch auf unser Fühlen, Denken und Handeln - sowohl in der Yogapraxis als auch im täglichen Leben. 

Eine Übersetzung von Hatha lautet Kraft. Die Interpretationen sind sehr unterschiedlich, weisen aber hin auf die Stärkung von Körper und Geist durch Asana und Pranayama. Hatha-Yoga ist ein Weg zu unserer Mitte, ein Ausbalancieren unserer Kräfte in Einklang mit den Kräften des Universums. Eine weitere Übersetzung lautet Sonne-Mond und verdeutlicht die Verbindung und Einheit von polaren Gegensätzen, die sich gegenseitig bedingen. 

So wie das Sonnenlicht dient auch der Atem als Träger von Prana (Lebensenergie). Über den natürlichen und bewussten Atem dehnen wir unser Atemvolumen aus und versorgen so unsere Körperzellen vermehrt mit Prana. Dadurch können sich Verspannungen auf körperlicher und mental-emotionaler Ebene auflösen und eine größere Durchlässigkeit entstehen. Der Atem ist uns Orientierung, Beruhigung und Kraftquelle. Durch den Atem lernen wir, unser inneres Feuer wahrzunehmen, freizusetzen, zu binden und finden tieferen Zugang zu unserer ursprünglichen Lebendigkeit, Wachheit und Präsenz. Atmen wir während unserer Yogapraxis bewusst lange, tief und ruhig, fühlen wir uns danach vital, wach und entspannt. In vielen alten Traditionen wird gelehrt, dass ein langer, tiefer und ruhiger Atem das Entstehen von Krankheiten verhindert und das Leben verlängert.

 

Wie wirkt Hatha-Yoga?

In der heutigen Zeit werden wir zugeschüttet von Sinneseindrücken. Hier bietet der Hatha-Yoga eine Möglichkeit, bewusst auf "Reizentzug" und in die Stille zu gehen. Wir lernen uns wieder mehr zu spüren, zu lauschen und bewusst zu bewegen. Der Körper zeigt deutlich seine Grenzen und Bedürfnisse. Diese zu respektieren sind für viele Menschen not-wendige und heilsame Erfahrungen.

Durch Hatha-Yoga entsteht - oft schon nach wenigen Stunden - ein tiefes Wohlgefühl aus Zufriedenheit, Entspannung und Freiheit. Hatha-Yoga berührt körperliche, emotionale, mentale, energetische und spirituelle Bereiche unseres Menschseins. Er unterstützt körperliche Gesundheit, seelische Entspannung und geistige Klarheit und trägt damit dazu bei, den eigenen Platz in der Welt leichter einzunehmen.

Im folgenden verwende ich anstelle von Hatha-Yoga, wie in westlichen Ländern für die Körperhaltungen und Atemübungen üblich, den Begriff Yoga.

Eine regelmäßige Yogapraxis

  • stärkt und dehnt die Muskulatur, entlastet das Skelett und beeinflusst die Körperhaltung
  • hält die Wirbelsäule und die Gelenke geschmeidig
  • stabilisiert das innere und äußere Gleichgewicht
  • harmonisiert und stärkt das Herz-Kreislauf-, das Nerven-, das Hormon- und Immunsystem
  • löst Spannungen und Blockaden
  • verfeinert die Körperwahrnehmung
  • setzt Energiepotential frei und weckt unsere Selbstheilungskräfte
  • führt zu Harmonie zwischen Atem und Bewegung und schult den Atemfluss
  • bietet Methoden für ein selbstbestimmtes Stressmanagement
  • schult Geduld, Aufmerksamkeit, Konzentration und Achtsamkeit
  • stärkt Selbstvertrauen, Selbstverantwortung und Selbstbewusstsein
  • führt uns dahin, unbewusste Haltungen und Muster wahrzunehmen, zu erforschen, damit zu spielen und neue, bewusstere Verhaltensmuster zu kreieren
  • ist Meditation in Bewegung und entspannt unsere Gedankenmuster
  • macht Spaß :)

 

Zur Philosophie

Tradition ist die Weitergabe der lebendigen Flamme,
nicht die Anbietung der Asche.

-- Unbekannt

 

Dem Yoga liegt eine Erfahrung des Erwachens zu Grunde, die einzelne Yogis schon Jahrtausende vor Christi Geburt beschrieben haben. Sie bezeugt das Erleben und die Erkenntnis, dass der Mensch viel mehr ist als das, was er mit seinem normalen Alltagsbewusstsein wahrzunehmen scheint, dass er nicht getrennt, sondern verbunden, eins ist mit dem Universum, mit Gott. Dieser tiefe innere Bewusstseinswandel führt zu Befreiung und Loslösung (Kaivalya) von irdischen Begrenzungen. Sat-Chit-Ananda beschreibt das Erleben von Sein, Bewusstsein, Glückseeligkeit, von Fülle, Freude, Gewahrsein und Stille.

Im Laufe der Jahrhunderte wurden zahlreiche yogische Übungsmethoden mit unterschiedlichen Schwerpunkten entwickelt, mit dem Wunsch, diese Erfahrungen wiederholbar und anderen Menschen zugänglich zu machen. Sie beinhalten Askese, Meditation, geistige und körperliche Schulung, Gebete, Übungen zur Atemkontrolle, Chanten oder den Dienst am Nächsten. Neben dem Hatha Yoga gibt es viele yogische Traditionen, wie z.B. der Yoga der Erkenntnis (Jnana-Yoga), der Yoga des Handelns (Karma-Yoga), der Yoga der Hingabe (Bhakti-Yoga), Tantra-Yoga, Kriya Yoga, Kundalini Yoga, Advaita Vedanta u.v.m..

In allen mystischen spirituellen Traditionen dieser Erde finden wir zeitlebens - und in den letzten Jahrzehnten bei vielen Menschen vermehrt auftretende - ähnliche Erfahrungen von Bewusstseinsverlagerungen, die mit All-eins-sein, Erleuchtung, Satori-Erfahrung, Vereinigung mit der Universellen Quelle, göttlicher Verzückung und Ekstase, Gotteserfahrung, Auflösung von Ich-Identifikation oder einfach mit dem Ruhen im Sein oder Zuhause ankommen beschrieben werden. Sie können wenige Augenblicke, über einen langen Zeitraum oder für den Rest des Lebens andauern bzw. immer wieder erlebt werden.

Man sagt, der Hatha-Yoga diente im alten Indien der Vorbereitung des Körpers und des Geistes auf eine höhere Bewusstseinsreise und auf die Meditation. Er war lange Zeit Teil eines Einweihungsweges für eine kleine Gruppe ausgewählter Menschen (meist Männer), die ihr Leben der Suche nach der Befreiung gewidmet hatten. Vermittelt wurde er in persönlicher Guru-Schüler-Tradition. Zeitweilig wurde er von der indischen Bevölkerung auch mehr als Körperertüchtigung angesehen (siehe Medien "Der atmende Gott").

Erst im 20. Jahrhundert erhielten auch breite Bevölkerungskreise Zugang zum Hatha Yoga. Neben den traditionellen entstanden neue, an die Bedürfnisse der modernen indischen und westlichen Kultur angepasste Yogastile. Diese Öffnung machte es möglich, dass auch Frauen und Menschen aus dem Westen als Yogaschüler angenommen wurden. In dieser Zeit entstand auch der Unterricht in Gruppen. Der Yoga entwickelte sich über den traditionellen Hinduismus und Buddhismus hinaus und wurde zu einer religions- und kulturübergreifenden Methode. Heute praktizieren weltweit mehr Frauen als Männer Hatha Yoga.

Der Yoga von heute ist traditionell und modern - heute ist Yoga für jeden möglich. Yoga wächst und verändert sich, Yoga ist in und im wahrsten Sinne des Wortes in Bewegung.

Im Zentrum der Yogapraxis steht der Mensch, die Übungspraxis richtet sich nach den Bedürfnissen des jeweiligen Menschentypus und so kann jeder heute den für ihn geeignetsten Yogastil finden.